Scarlatti


Scarlatti
Scarlạtti,
 
1) Alessandro, italienischer Komponist, * Palermo 2. 5. 1660, ✝ Neapel 22. 10. 1725, Vater von 2); kam 1672 nach Rom, war dort vielleicht Schüler von G. Carissimi und erzielte schon mit seinen ersten Opern ab 1679 große Erfolge. Königin Christine von Schweden, die in Rom lebte, ernannte ihn 1680 zu ihrem Kapellmeister. In der gleichen Funktion ging Scarlatti 1684 an den Hof des Vizekönigs von Neapel. 1703 wurde er Hilfskapellmeister an Santa Maria Maggiore in Rom, 1707 dort Kapellmeister und kehrte 1708 unter dem neuen Vizekönig nach Neapel zurück. Ab 1718 lebte er vorwiegend in Rom, seit 1722 zurückgezogen in Neapel. Scarlatti galt um 1700 als der bedeutendste lebende italienischer Komponist. 1706 wurde er in die Dichterakademie Arcadia aufgenommen, 1716 erhielt er von Papst Klemens XI. den Adelstitel »Cavaliere«. Zu seinen Schülern zählten sein Sohn Domenico und J. A. Hasse. Scarlattis über 100 Opern bilden einen Höhe- und Wendepunkt in der Geschichte der Gattung. Anknüpfend an die Tradition der Venezianischen Opernschule des 17. Jahrhundert reduzierte und vereinheitlichte Scarlatti deren Formenvielfalt zu einem charakteristischen, musikalisch wirksamen Ausdrucksstil, der die nachfolgenden Komponisten der Neapolitanischen Schule deutlich beeinflusste. Die Arien, anfangs nur vom Generalbass, später mehr und mehr orchestral begleitet, werden ausgedehnter, in hohem Maße affektvoll und virtuos, tonal klar strukturiert und tendieren zunehmend zur Da-capo-Form. Das Secco- und das Accompagnato-Rezitativ werden satztechnisch und szenisch unterschiedlich behandelt. Die einleitende Sinfonia erhält die standardisierte dreiteilige Form. Von großer Bedeutung für den Bereich intimer vokaler Kammerkunst sind Scarlattis über 800 Kantaten, komponiert zumeist für eine Solostimme und Generalbass, seit etwa 1700 in regelmäßiger Abfolge von (zwei oder drei) Arien und Rezitativen. Scarlatti schrieb ferner Kirchenmusik (Messen, Psalmen, Motetten), Oratorien, Orchester- und Kammermusik, Orgel- und Cembalowerke.
 
 
R. Pagano u. a.: A. S. Catalogo generale delle opere. .. (Turini 1972);
 
The operas, hg. v. D. J. Grout, 9 Bde. (Cambridge, Mass., 1974-85);
 
Colloquium A. S., Würzburg 1975, hg. v. W. Osthoff u. a. (1979);
 
A. S. u. seine Zeit, hg. v. M. Lütolf (Bern 1995).
 
 2) Domenico, italienischer Komponist, * Neapel 26. 10. 1685, ✝ Madrid 23. 7. 1757; Sohn von 1); war ab 1709 Kapellmeister der Königin Maria Casimira von Polen (* 1639, ✝ 1716) in Rom, ab 1713 an der vatikanischen Capella Giulia, ab 1714 auch beim portugiesischen Gesandten Marquês de Fontes. 1719 ging Scarlatti als Kapellmeister an den Hof in Lissabon, 1729, nach der Heirat der portugiesischen Infantin Maria Bárbara (* 1711, ✝ 1758) mit dem spanischen Thronfolger Ferdinand, in deren Diensten als Cembalist nach Sevilla und 1733 nach Madrid, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. In Italien komponierte Scarlatti v. a. Opern, Oratorien, Kantaten und kleinere Vokalwerke. Das Schwergewicht seines Schaffens liegt jedoch auf der Cembalomusik der portugiesisch-spanischen Zeit, über 550 fast ausschließlich einsätzige Sonaten, teilweise auch »Essercici« betitelt, deren Anlage zumeist einer Frühstufe der Sonatenhauptsatzform entspricht. Mit ihrer Vielfalt an Ausdrucksformen, Tonarten und Tempi, ihrer sprechenden, kleingliedrig kontrastreichen Melodik innerhalb eines durchsichtigen, oft homophonen Satzes, ihrer differenzierten Harmonik und ihrer reichen Skala pianistischer Techniken bilden sie eine stilprägende Werkgruppe in der Geschichte der europäischen Klaviermusik.
 
Ausgabe: Complete keyboard works, herausgegeben von R. Kirkpatrick, 18 Bände (1972).
 
 
W. Gerstenberg: Die Klavierkompositionen D. S.s, 2 Tle. (1933, Nachdr. 1969);
 H. Keller: D. S. Ein Meister des Klaviers (Leipzig 1957);
 R. Kirkpatrick: D. S. (Neuausg. Princeton, N. J., 1983);
 
D. S., hg. v. H.-K. Metzger u. a. (1986);
 M. Biesold: D. S. (Neuausg. 1990).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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